Kammer der Tieraerztekammer

Informationen zur Geflügelpest (HPAI)

Europaweit wurden seit Oktober 2020 Ausbrüche des Geflügelpestvirus HPAI (Hochpathogene Aviäre Influenza) nachgewiesen. Umgangssprachlich auch "Vogelgrippe". Unter anderem in den Niederlanden, Großbritannien sowie in Frankreich. Es wird vermutet, dass Zugvögel das Virus eintragen.
 
In Deutschland sind Anfang Januar 2021 in erster Linie die Gebiete in der Nähe von Ost- und Nordseeküste betroffen, also zum Beispiel Niedersachen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. In einigen dieser Bundesländer wurde die Stallpflicht angeordnet.
 
 
Das Virus hat auch Nordrhein-Westfalen erreicht:
 
Mit der Bitte um Beachtung: Wir weisen auf die jüngste Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) vom 18.05.2021 hin, welche den aktuellen Sachstand zusammenfasst: "Die Zahl der infizierten Wildvögel ist erfreulicherweise stark rückläufig, für eine vollständige Entwarnung ist es noch zu früh." 
 
In Nordrhein wies das FLI im Kreis Kleve und im Kreis Wesel im November, Dezember 2020 und im Februar 2021 bei vier verendeten Wildgänsen, einem Bussard und im Mai 2021 bei zwei Schänen den Geflügelpestvirus HPAI (Subtyp H5N8) nach. Für die genannten Kreise wird zumindest vorläufig auf eine Aufstallungspflicht verzichtet. Dies kann sich jedoch aufgrund der aktuellen Entwicklung jederzeit ändern. Von offizieller Seite ergeht an alle Tierhalterinnen/Tierhalter die Empfehlung, ihre Tiere aufzustallen, wo es möglich ist. Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Pressemitteilung des Kreis Wesel vom 15.01.2021. NACHTRAG, 03.03.2021: Der Kreis Kleve empfiehlt nachdrücklich, alle Biosicherheitsmaßnahmen in den Geflügelhaltungen einzuhalten. Weitere Einzelheiten finden Sie weiter unten.
 

Für Westfalen-Lippe meldete das MULNV im März 2021 Ausbrüche der Geflügelpest in acht Beständen (Pressemitteilung vom 04.03.2021 sowie Pressemitteilung vom 29.03.2021). Seit April 2021 sind in den Hausgeflügelhaltungen in Westfalen-Lippe bzw. in ganz Nordrhein-Westfalen keine Fälle von Geflügelgrippe mehr aufgetreten. Das MULNV hebt aus diesem Grund die im April 2021 verfügte Aufstallungspflicht für Hausgeflügelhaltungen auf (Pressemitteilung vom 18.05.2021). 

Das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (LANUV) verweist für weitere Einzelheiten auf die Internetseiten der Kreise und Kommunen. Eine entsprechende Übersicht findet sich auf der Informationsseite des LANUV. Auf derselben Seite finden Sie auch die aktuellen Erlasse des MULNV zum Geflügelpestgeschehen (Überschrift "Rechtliche Grundlagen").

Das MULNV ruft alle Geflügelhalter unverändert zur Wachsamkeit auf: Das Ministerium bittet, alle Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögeln dem Veterinäramt des jeweiligen Kreises und der kreisfreien Stadt zu melden.Eine Aufstellung der Veterinärämter verlinken wir in diesem Beitrag. Wie bei einem Vogelfund genau zu verfahren ist, lesen Sie bitte auf der Informationsseite des LANUV.

Ferner erinnert das MULNV an die Pflicht zur konsequenten Einhaltung der mit der Geflügelpest-Verordnung vorgegebenen Biosicherheitsmaßnahmen. Dies gilt nicht nur für Zuchtbetriebe pp., sondern auch für Personen, die privat Geflügel halten. Und sei es nur in geringer Zahl. Beispiele für Biosicherheitsmaßnahmen finden Sie weiter unten. Das Ministerium ergänzt: "[…] Für Menschen sei das Virus im Regelfall ungefährlich. Bei intensivem Kontakt mit infiziertem Geflügel kann eine Möglichkeit der Ansteckung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. […]"
 
UPDATE, 28.05.2021: Am 28.05.2021 wurde in China die erste Infektion eines Menschen mit dem Geflügelpest-Virus vom Typ H10N3 bestätigt (Beitrag der Deutschen Welle vom 01.06.2021, Beitrag von topagrar online vom 09.06.2021).
 
UPDATE, 21.02.2021: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informiert, dass in der Russischen Föderation weltweit erstmalig eine Infektion von Menschen mit dem Geflügelpest-Virus vom Typ H5N8 aufgetreten ist (Pressemitteilung des BMEL vom 21.02.2021). Auf der Homepage des Deutschen Ärzteblatts heißt es hierzu weiter: "[…] Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei über diese "wichtige Entdeckung" bereits informiert worden [..]. Wissenschaftler hätten das Virus bei [sieben] Menschen in einer Geflügelfabrik nachgewiesen, in der im Dezember bei Tieren die Vogelgrippe aufgetreten war. […]"
 
UPDATE, 23.02.2021: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in seiner aktualisierten Stellungnahme darauf hin, dass die Virusübertragung durch den Verzehr von Lebensmitteln vom Geflügel unwahrscheinlich sei (Stellungnahme des BfR vom 23.02.2021). Das BfR stellt klar: "[…] Für die Übertragung […] aviärer Influenzaviren von Vögeln auf den Menschen waren in der Vergangenheit fast ausschließlich direkte Kontakte mit infiziertem lebendem Geflügel verantwortlich. Auch für die […] Übertragungen des Subtyps H5N8 auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Geflügelfarm in Russland werden direkte Kontakte zu den Tieren als Ursache angenommen. Fälle von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen wurden nicht festgestellt. […]"
 
Beispiele für die zu beachtenden Biosicherheitsmaßnahmen sind (Aufzählung nicht abschließend):
 
Hausgeflügel darf keinen Kontakt zu Wildvögeln haben. Das beinhaltet auch: Das Hausgeflügel darf nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden.
 
Es darf kein Oberflächenwasser für das Tränken der Tiere genutzt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben.
 
Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen kann, müssen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden.
 
Vorsicht beim Kauf von lebendem Geflügel über fliegende Händler.
 
Bei erhöhten Tierverlusten im Bestand ist dieser unverzüglich tierärztlich zu untersuchen.
 
Weitere Biosicherheitsmaßnahmen finden Sie auf der Informationsseite des LANUV, dort unter der Überschrift "Wie kann ich mein Geflügel vor der Geflügelpest schützen?".
 
Und wichtig! Das Ministerium betont: "[…] Sollten Geflügelhaltungen bislang nicht bei der Tierseuchenkasse Nordrhein-Westfalen registriert sein, sollte dies schnellstens nachgeholt werden. […]" Die Tierseuchenkasse ist der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen angeschlossen. Das Meldeformular verlinken wir in diesem Beitrag.
 
Rechtsgrundlagen:
Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (Geflügelpest-Verordnung): Link.
Gesetz zur Vorbeugung vor und Bekämpfung von Tierseuchen (Tiergesundheitsgesetz - TierGesG): Link.
 
Quellen:
Informationsseite des LANUV: Link.
Informationsseite des MULNV (Tierseuchen): Link.
Pressemitteilung des MULNV vom 18.05.2021: Link.
Pressemitteilung des MULNV vom 29.03.2021: Link.
Pressemitteilung des MULNV vom 04.03.2021: Link.
Pressemitteilung des MULNV vom 02.03.2021: Link.
Pressemitteilung des MULNV vom 19.11.2020: Link.
Informationsseite des FLI: Link.
Risikoeinschätzung des FLI vom 22.02.2021: Link.
Risikoeinschätzung des FLI vom 25.03.2021: Link.
Informationsseite des BMEL: Link.
Pressemitteilung des BMEL vom 21.02.2021: Link.
Informationsseite des BfR: Link.
Stellungnahme des BfR vom 23.02.2021: Link.
Liste mit allen Veterinärämtern in Nordrhein-Westfalen: Link.
Tierseuchenkasse (Meldeformular): Link.
Pressemitteilung des Kreis Wesel vom 15.01.2021: Link.
Pressemitteilung des Kreis Kleve vom 19.11.2020: Link.
Pressemitteilung des Kreis Kleve vom 06.11.2020: Link.
Beitrag von topagrar online vom 09.06.2021: Link.
Beitrag der Deutschen Welle vom 01.06.2021: Link.